Was macht ein Unternehmen attraktiv für eine Übernahme?
Unternehmensnachfolge scheitert heute nicht nur daran, dass zu wenige Nachfolger verfügbar sind, sondern zunehmend daran, dass Unternehmen nicht ausreichend übernahmefähig sind. So sind z.B. viele Betriebe stark auf die Inhaberperson zugeschnitten, haben unklare Strukturen oder Transformationsbedarf. Für Kaufinteressenten wird damit der Aufwand und das Risiko erhöht. Dies wirkt sich mindestens auf den Kaufpreis aus, oder macht die Übernahme schlicht unattraktiv.
Die Praxis zeigt: Übernahmefähigkeit entsteht nicht zufällig, sondern ist das Ergebnis systematischer Vorbereitung. Sie entscheidet maßgeblich darüber, ob ein Nachfolgeprozess gelingt, wie lange er dauert und welchen Wert ein Unternehmen am Markt realisieren kann.
Die folgenden sieben Faktoren prägen die Übernahmefähigkeit eines Unternehmens ganz wesentlich:
1. Klare und stabile Unternehmenszahlen
Transparente, nachvollziehbare Finanzdaten sind die Grundlage jeder Kaufentscheidung.
Dazu gehören:
- saubere Jahresabschlüsse
- belastbare Planung und Forecasts
- klare Trennung zwischen privaten und betrieblichen Ausgaben
- dokumentierte betriebswirtschaftliche Kennzahlen
Fehlen diese Grundlagen, steigt der Prüfungsaufwand und das Vertrauen sinkt.
2. Geringe Abhängigkeit vom Inhaber
Viele Mittelständler funktionieren nur, weil die Inhaberin oder der Inhaber alles weiß, alles entscheidet und alles zusammenhält. Für Nachfolger ist das ein Risiko.
Wichtig ist daher:
- Eine klare Aufgabenverteilung
- Delegierte Verantwortung
- Dokumentiertes Wissen
- Funktionierende Stellvertretungen
Ein Unternehmen, das ohne Inhaberperson stabil bleibt, ist deutlich attraktiver.
3. Professionalisierte Prozesse und Strukturen
Unstrukturierte Abläufe verzögern nicht nur die Übergabe – sie verschlechtern die Bewertung.
Übernahmefähige Unternehmen haben:
- Definierte Kernprozesse
- Klare Rollen und Verantwortlichkeiten
- Digitale oder zumindest schriftlich dokumentierte Abläufe
- Ein Risikomanagement
Das schafft Effizienz und macht den Betrieb skalierbar.
4. Starkes und eingespieltes Team
Nachfolger investieren nicht nur in Zahlen, Maschinen oder Kunden. Sie investieren vor allem in Menschen. Ein stabiles Team mit klaren Kompetenzen ist daher einer der größten Erfolgsfaktoren.
Dazu gehören:
- Geringe Fluktuation
- Funktionierende Zusammenarbeit
- Eindeutige Ansprechpartner für Kunden und Lieferanten
Je besser das Team funktioniert, desto resilienter ist das Unternehmen im Übergang.
5. Eine klare Marktpositionierung
Käufer suchen keine beliebigen Betriebe – sie suchen Unternehmen mit Profil.
Entscheidend ist daher:
- klar definierte Zielgruppen
- nachvollziehbares Leistungsangebot
- klare Differenzierung zum Wettbewerb
Eine starke Position am Markt erleichtert die Bewertung und erhöht den Wert.
6. Modernisierungs- und Investitionsstau im Griff
Technik, Digitalisierung, Maschinen, Fuhrpark, Gebäude – alles hat eine Halbwertszeit. Ein hoher Investitionsstau ist für Käufer ein Risiko und Preisfaktor.
Übernahmefähige Unternehmen sollten daher:
- kontinuierlich investieren
- Modernisierungsschritte planen
- Prozesse und Technologien auf aktuellem Stand halten
Je geringer der Investitionsstau, desto attraktiver der Betrieb.
7. Frühzeitig geklärte rechtliche und steuerliche Struktur
Viele Deals scheitern an der Struktur, nicht am Unternehmen selbst.
Wichtig sind u. a.:
- klare Eigentumsverhältnisse
- saubere Gesellschaftsverträge
- geregelte Haftungsfragen
- steuerlich geprüfte Übergabemodelle
Wer frühzeitig aufräumt, minimiert spätere Stolperfallen.
👉 Fazit
Ein übernahmefähiges Unternehmen ist kein Zufallsprodukt. Es entsteht durch klare Strukturen, saubere Zahlen, ein starkes Team und ein professionelles Geschäftsmodell. Wer frühzeitig an diesen Faktoren arbeitet, schafft nicht nur die Grundlage für eine erfolgreiche Nachfolge, sondern steigert auch Stabilität, Wert und Zukunftsfähigkeit des eigenen Betriebs.
